– ohne Titel –

Ich folge der Geschwindigkeit und schreibe mich ein im Rhythmus der Musik, folge dem Schlagzeug, dem Bass, dem Klavier, dem Saxophone und bringe sie zu Papier. Der Basslauf wird zu Buchstaben und legt Worte nieder, die rufen, die jubeln, die auch mal klagen, um etwas vorwärts zu treiben. Das Becken klingt nach und umhüllt die Worte mit einer Stimmung. Bruch, Lied vorbei. Ruhe. Ein rauer, ruhiger, gehauchter Ton schiebt sich über das Blatt. Macht keine Anstalten hervor zu stechen. Drängt sich nicht auf. Der Besen streift die Snare, das Klavier spielt vorsichtig einen Akkord, um die Töne in einer Harmonie zu fangen. Baut Struktur. Der Text wächst, geht nicht über den Rand hinaus. Bleibt in einer Form. Will erzählen, will berichten. Trägt Titel um zu sagen, wo es hingeht. Oder trägt keine Titel – ohne Titel – und der Betrachter und die Betrachterin stehen ratlos davor, sehen nichts, erkennen nichts, geben sich keine Mühe, wollen nichts sehen, gehen weiter. Das Bild – ohne Titel – verwirrt. Hängt seit fünfzig Jahren im Museum und keiner sieht, worum es geht. Hängt da ohne Titel. Farbrausch, Formen, Spritzer, Kleckse, nichts, was jemanden interessieren könnte. So sagen sie und so wurde es schon mehrmals umgehangen, immer weiter weg an uninteressantere Orte, Flure, wo weniger Leute vorbei gehen. – Der Baum – – Das Auto – – Das Kind – – Wartende Großmütter auf den Tod – – Silvesternacht – – Impressionen am See – das sind Titel, mit denen Menschen etwas anfangen können. Cut up shut up. Streicher untermalen nun alles so wunderbar, legen Teppiche aus, ich ziehe mir meine Hausschuhe an und mache es mir gemütlich. Tippe weiter, Jogginghose, Wollsocken, Teedampf, Hanfsamen und Sultaninen. Yeah. Dann ab in das Café und Kaffee trinken, das Herz auf Touren bringen, noch ganz müde vom Traum, in dem ich Max Frisch einen Text in den Briefkasten warf und er mir sagte, dass er doch gut sein. So ganz ohne Titel. Yeah Max, du verstehst mich und die Sonne setzt sich zu den Musikern und macht etwas Licht, damit man die Noten, den Text sieht. Die Bücherstapel, boah, eine Trompete haut mir in den Kopf und sagt, ab geht’s mensch, schreib los und höre nicht auf zu tippen, ehe die ganze Welt sich auf deinem Blatt vereinigt. Die ganze Welt von dir lernt, was es heißt, nicht dumm zu sein. Kriege lassen wir sein. Nicht klug mensch, einfach nicht klug. Jetzt wird geliebt und wenn es die Bosse nicht vestehen, mensch, wir müssen es ihnen sagen, wir müssen klar machen, dass sie da mächtig was falsch verstanden haben, was das Leben angeht. Ich weiß nicht, von wem sie das haben, aber ein guter Mensch kann das nicht gewesen sein. Oder mal grob formuliert: Wer hat euch eigentlich ins Hirn geschissen? Verdammt. Musik leer.

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