Verzweiflung

denke ich an die Freiheit
an ihre Begrenzung
an ihre Beschneidung
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Fanatischen
an die Kriegsführenden
an die Bomben
spüre ich deine Nähe

denke ich an Zurückweisung
an Ablehnung und Ausgrenzung
an Barrikaden
an falscher Stelle
spüre ich deine Nähe

denke ich an brennende Häuser
an schießende Nazis
an grölende pöbelnde Menschen
spüre ich deine Nähe

denke ich an die KampfpilotInnen
an die SoldatInnen im Regio
an Heckler & Koch
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Tiefe des Meeres
an den schwebenden Tod
an die Zerstörung
spüre ich deine Nähe

denke ich an aufklaffende Flugzeuge
an die Geiseln
an Detonationen
spüre ich deine Nähe

denke ich an Gewehrsalven
an offene Wunden
an geschlossene Münder
spüre ich deine Nähe

denke ich an tötende Technik
die drohend kreist
an ihre Opfer
spüre ich deine Nähe

denke ich an die PolitikerInnen
an die Menschen in den Häusern
die zusammenfallen
spüre ich deine Nähe

denke ich an meine Möglichkeiten
an meine Reichweite
an mein Leben
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Einfallslosigkeit
an die mangelnde Kreativität
der Bewältigung
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Wirtschaft
an die unzählbaren Transaktionen
an die schreiende Ungerechtigkeit
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Wampe des einen
an den Hunger des anderen
an die gewaltsame Ausbeutung
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Verlogenheit
an die Habgier den Hass
an die Konsumwelt
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Tempel der Moderne
an die Unterhaltungswelt
an die Ablenkungsgesellschaft
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Gleichgültigkeit
diese grausame Gleichgültigkeit
mit ihrem kalten Hauch
spüre ich deine Nähe

denke ich an Reden
deren Sprache ich nicht spreche
an rasendes Gefasel
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Umwelt
an die Achtlosigkeit
an die geteerten Wesen
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Strahlung
an das apokalyptische Ende
an die Unbekümmertheit
spüre ich deine Nähe

denke ich an die Überwachung
an das Welt­Gehirn
an die Unmenschlichkeit
spüre ich deine Nähe

denke ich an gehässiges Lachen
an falsches Lächeln
an diese Fratzen
spüre ich deine Nähe

denke ich an dich
an die Verzweiflung
merke ich wie Mut
erwacht und aus
Tränen Wut Dir
neue Hoffnung wird

Inspiriert und in Erinnerung: Paul Éluard: Liberté

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